350 Zuschauer im Ahe-Stadion

Rotenburg - Von Matthias Freese. Der DFB-Präsident hatte nichts verpasst: Gerade hatte Reinhard Grindel das Interview mit dem ZDF an der Bande des Ahe-Stadions beendet und den dunkelblauen Mantel wieder übergezogen, da zappelte der Ball auch schon im Netz – allerdings im Netz „seines“ Rotenburger SV, zum zwischenzeitlichen 1:2. (Bild: Freese) 

Am Ende setzte es für den Gastgeber vor mehr als 350 Zuschauern gar die höchste Saisonniederlage, denn Spitzenreiter FC Hagen/Uthlede dominierte das Top-Spiel der Fußball-Landesliga und siegte mit 4:1 (1:1). Dem RSV wurden die Grenzen aufgezeigt.

Nicht einmal die Rotenburger selbst versuchten die deutliche Niederlage schönzureden. „Sie war auch in der Höhe verdient“, gestand der sportliche Leiter Andre Schmitz. „Wir waren völlig überfordert. Nur wenige hatten Normalform und manch Leistungsträger hat die Unsicherheit auf die jungen Leute übertragen.“ Es war allerdings auch das dritte Punktspiel in nur sieben Tagen für den RSV, „das muss man ehrlicherweise erwähnen“, bemerkte Hagens Trainer Carsten Werde, dessen Elf am Reformationstag nicht hatte spielen müssen.

RSV zeigte zu wenig Präsenz

„Wenn man sieht, dass gewisse Routiniers nicht ihre Form abgerufen haben, muss man sich das eingestehen“, glaubte auch RSV-Trainer Tim Ebersbach einen Mitgrund für den eher schwachen Auftritt ausfindig gemacht zu haben. Kapitän Kevin Klützke widersprach dem jedoch: „Nein, daran lag es absolut nicht. Wir waren einfach nicht so präsent wie sonst und haben nicht unsere beste Leistung gezeigt.“ Interview an der Bande: DFB-Präsident und RSV-Mitglied Reinhard Grindel stellt sich im Ahe-Stadion während des Spiels den Fragen des ZDF.

Früh zeigte sich, dass vor allem die eigentlich so zuverlässige Defensive ein ums andere Mal wackelte. „In den ersten 45 Minuten haben wir immer wieder über das Zentrum schnell in die Spitze gespielt. Es war aber fast zum Verzweifeln, was wir an Chancen vergeben haben“, meinte Hagens Coach. Mehrfach musste sich Keeper Tom Knaak auszeichnen und für seine Vorderleute retten – so bereits in der dritten Minute gegen den überragenden Kai Diesing. „Tom macht das echt gut“, fand auch der eigentliche Stammkeeper Henner Lohmann, der nach seiner Ellenbogenverletzung erstmals wieder auf der Bank saß und diese Woche voll ins Training einsteigt. 

 

„Oberliga ist nicht attraktiv“

Rotenburg - Mit einem Sieg im Hit gegen den FC Hagen/Uthlede würde der Rotenburger SV die Tabellenführung in der Fußball-Landesliga übernehmen. Coach Tim Ebersbach äußert sich zur aktuellen Lage und zur Oberliga. (Bild: Freese) 

Ihr Kapitän Kevin Klützke hat jüngst behauptet: „Die Tabelle lügt eigentlich nicht.“ Sehen Sie es nach mehr als einem Drittel der Saison und 27 Punkten ähnlich?

Tim Ebersbach: Nach elf Spielen kann man vielleicht wirklich nicht mehr von einer Momentaufnahme sprechen. Ich glaube, so einen Punkteschnitt gab es auch lange nicht mehr in Rotenburg.

Zumindest nicht mehr seit zehn Jahren und dem Aufstieg unter Trainer Frank Stresing. Aber wollen Sie überhaupt hoch? 

Vorsicht, Elfmetergefahr!

Rotenburg - Von Matthias Freese. Für Trainer Tim Ebersbach ist es ein „schönes Belohnungsspiel“. Kapitän Kevin Klützke ist es sogar „egal, wer herkommt“. Beim Tabellenzweiten Rotenburger SV versuchen sie vor dem ultimativen Spitzenspiel der Fußball-Landesliga jeglichen Druck abzuwehren wie eine gefährliche Flanke vor dem eigenen Kasten. „Klar haben die Jungs inzwischen den Anspruch, Platz drei bis sechs zu belegen. Aber wir haben doch keinen Druck“, betont Ebersbach vor dem Heimspiel gegen den Tabellenführer FC Hagen/Uthlede (Sonnabend, 14 Uhr). (Bild: Freese) 

Gegen Titelanwärter Hagen hat der RSV keinen der bisher vier Landesliga-Vergleiche gewonnen – zu Hause gab es stets ein 1:1. Mit einem Remis könnte Ebersbach auch jetzt gut leben. Ein Grund, um womöglich zur defensiven 4-4-2-Formation zurückzukehren und nicht wie in den vergangenen drei Halbzeiten drei Stürmer aufzubieten? Noch mauert der Coach.

Was aber auffällt: Beide Trainer sprechen im Vorfeld mit Hochachtung voneinander – und das nicht nur, weil sie im selben Unternehmen in Bremen arbeiten. Hagens Coach Carsten Werde sagt: „Wenn man vor dem RSV keinen Respekt hat, weiß ich es auch nicht. Tim hat es geschafft, eine taktisch sehr variable Mannschaft aufzubieten, die auch innerhalb eines Spiels die Systeme wechseln kann. Nach vorne ist der RSV variabel und nicht leicht ausrechenbar. Der Blick auf das Torverhältnis zeigt zudem die Defensivstärke des Teams. Es ist eine klare Struktur zu erkennen.“ 

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